Varangerfjord bei Mortensnes
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Varangerfjord – Varangerhalbinsel

Der Varangerfjord und die nördlich davon liegende Varangerhalbinsel gehören für mich mit zu den schönsten Gegenden Nordnorwegens. Darüber hinaus bietet diese Lanschaft auch einen nicht unbeträchtlichen Teil Kultur. Wer hätte das gedacht, in Lappland.

Küstensamen am Varangerfjord

Wer Samen nur mit Rentieren verbindet und meint, Samen würden nur im allerhöchsten Norden beheimatet sein, ist nicht ganz im Bilde über die Samen und Sápmi.

Karte über das Siedlungsgebiet der Samen in Nordeuropa

Das Siedlungsgebiet der indigenen Samen, Sápmi oder Same-Ätnam, geht deutlich über das von uns gemeinläufig als Lappland bezeichnete Gebiet hinaus und kann der nebenstehenden Karte entnommen werden.

Anhand der sehr langen Küstenlinie ist anzunehmen, dass die Samen nicht nur mit Rentieren herumgezogen sind, sondern sich auch mit dem Fischfang beschäftigt haben.

In der Tat wurde von den Samen neben der Rentierjagd auch Ackerbau und Fischfang betrieben.

Ende Juni 2019 war ich unterwegs am Varangerfjord Richtung Hamningberg . Ca 20 km ostwärts Varangerbotn, bei Mortensnes / Ceavccageadgi, befindet sich ein alter samischer Siedlungsplatz der Küsten- oder Seesamen direkt am Fjord. Ich kenne inzwischen viele samische Siedlungsplätze und alle haben eine gewissen Ausstrahlung, so auch dieser. Wer vor ca 10 tsd Jahren hier oben siedelte, hatte ein anderes Verhältnis zur Natur als wir heute. So wurden diese Plätze mit Bedacht gewählt und liegen meist idyllisch in die Natur eingebettet.

Zum Siedlungsplatz, der unter Naturschutz steht, gehört ein kleines, aber feines Museum. In diesem Museum wird noch mal die besondere Verbindung der Samen zur Natur herausgestellt in der Ausstellung „Luondu – Heilige Landschaft“.
Das Museum wird betreut durch das Varjjat Sami Museum in Varangerbotn.

Opferstein bei Ceavccagedge am Varangerfjord
Kote bei Ceavccageadge am Varangerfjord



Fliegende Polarforscher

Roald Amundsen hatte schon reichlich Geschichte geschrieben, als er mit dem Luftschiff „Norge“ in Vadsø am 06. Mai 1926 an einem Gittermast festmachte. Zusammen mit seinen Begleitern Umberto Nobile und Lincoln Ellsworth und der Mannschaft der „Norge“ überflog er von hier aus, nach Zwischenlandungen, am 12. Mai den Nordpol, vermutlich als erster. Gebaut war das Luftschiff übrigens von dem Italienischen Luftfahrtpionier Nobile.

1928 führte das Schicksal Amundsen und Nobile wieder zusammen (fast). Am 05. Mai flog Nobile von hier aus mit seinem Luftschiff „Italia“, wiederum mit Zwischenlandungen, am 24. Mai über den Nordpol. Einen Tag später verunglückte die Expedition.
Am 28. Juni 1928 startete Amundsen mit einem Französischen Wasserflugzeug von Tromsø aus zu einer Rettungsaktion, von der er nie wieder zurück kehrte.

Der Gittermast steht immer noch, in Vadsø.

Luftschiffmast in Vadsø am Varangerfjord
Gedenktafel für Amundsen, Nobile und Ellsworth in Vadsø am Varangerfjord
Gedenktafel für Nobile und Amundsens tödliche Rettungsaktion in Vadsø am Varangerfjord



Bunker Hill und Hexenverbrennungen

Festung Vardøhus in Vardø am Varangerfjord

Festung Vardøhus
Im Schutz einer Festung lässt sich gut Recht sprechen.
In der ca 1330 erbauten nördlichsten Festung Europas fanden im 17. Jahrhundert zahlreiche „Hexenprozesse“ statt. Für Nordeuropa überproportional viele , zurückzuführen auf einen übereifrigen Kommandanten, den Schottischen Admiral John Cunningham. Von den 91 Opfern waren 77 weiblich, insgesamt mehrheitlich Samis.

In Erinnerung an diese grauenvollen Vorkommnisse ist in Vardø, zwischen 2006 und 2011, das Steilneset Memorial errichtet worden, in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Architekten Peter Zumthor und der französisch-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois.
In dem lang gestreckten Bau sind 91 Erinnerungskammern angelegt, für jedes Opfer eine.
Und in der Installation des angrenzenden Pavillons züngelt ständig eine Flamme aus einem Stuhl und wird in sieben hochgehängten großen Spiegeln verzerrt vervielfacht.

Insgesamt ein sehr ergreifendes und nachdenklich stimmendes Mahnmal am Ort der früheren Hinrichtungen.

Steilneset Memorial in Vardø am Varangerfjord
Steilneset Memorial in Vardø am Varangerfjord

Das Steilneset Memorial ist auch Teil der Norwegian Scenic Route Varanger

Eine Befestigungen ganz anderer Art befindet sich nördlich Vardøhus Festning.
Wer sich in Sápmi herumtreibt wird unvermeidlich auf Reste deutscher Befestigungen aus dem WK II stoßen.
Während es in Narvik um den Erzhafen ging, war Nordnorwegen die Basis um die Englischen Versorgungskonvois durch die Barentsee nach Murmansk zu verhindern und auch der Rückwärtige Bereich der Eismeerfront zu Russland.
Entlang der Küste sind heute noch die Reste vieler Bunker und Geschützstellungen Zeugen der Zeit. Was allerdings während des Rückzuges der deutschen Streitkräfte aus dem Norden geschah (Stichwort Unternehmen Nordlicht 44 – Verbrannte Erde) sollte jedem Deutschen bekannt und bewusst sein.

Bunkerreste in Vardø am Varangerfjord
Bunkerreste in Vardø am Varangerfjord



End of the Road

Einerseits endet die E 75 im Hafen von Vardø schlicht an der Kaikante, andererseits verläuft die Strasse weiter an der Küste nach Norden (jetzt ohne Europas Segen) und endet in Hamningberg, einem verlassenem Fischerdorf, dass nur noch als Ferienort genutzt wird.
Weil das Dorf im WK II nicht zerstört wurde (Unternehmen Nordlicht 44), gilt es heute als eines der am besten erhaltenen Fischersiedlungen der Finnmark.

Hamningberg auf der Varangerhalbinsel
Hamningberg auf der Varangerhalbinsel
Hamningberg auf der Varangerhalbinsel

Im Sommer 2019 ereignete sich auf dem Parkplatz in Hamningberg ein medizinischer Notfall. Ein deutscher Wohnmobilist benötigte dringende ärztliche Hilfe. Aufgrund meiner Norwegischkenntnisse konnte ich den zuständigen Rettungsdienst verständigen. Die Rettungssanitäter kamen aus Vardø und waren ca 45 min nach dem Notruf vor Ort und haben den Patienten dann nach Vardø transportiert. Dort ist aber nur ein Notarzt stationiert. Um sicher zu gehen ließ der Notarzt den Patienten in das nächste Krankenhaus zur eingehenden Untersuchung verbringen, jetzt mit einem Taxi und medizinischer Begleitung. Das nächste Krankenhaus ist aber in Kirkenes, also am Ende der anderen Seite des Varangerfjordes. Nachdem alles in trockenen Tüchern war, wurde der Patient mit dem Taxi von Kirkenes zurück bis zum Wohnmobil gefahren. Der Notruf erfolgte um 15:45, zurück am Wohnmobil war der Mann um 05:30 am anderen Morgen.



Båtsfjord und Berlevåg

Das Straßennetz auf der Varangerhalbinsel ähnelt einer Ausgestreckten Hand, mit dem Handrücken im Westen. Das bedeutet, von einer Fingerspitze zur anderen muss immer die Route über den Handrücken genommen werden.
Von Hamningberg nach Nordfjord sind es ca 20 km Luftlinie, mit dem Auto sind dafür dann gut 300 km zurück zu legen. Kein Wunder, wenn an der Küste traditionell lieber ein Boot genommen wird.

Nordfjord am Syltefjorden auf der Varangerhalbinsel
Nordfjord am Syltefjorden auf der Varangerhalbinsel

Auch Båtsfjord liegt am Ende eines Fingers.

Båtsfjord
Båtsfjord

Um nach Berlevåg zu kommen muß auch von Båtsfjord erstmal zurückgefahren werden. Allerdings keine 300 km sondern nur 31 km, dann kommt man zurück auf die Strasse von Tana nach Berlevåg. Diese Strasse ist erst 1959 angelegt worden. Man kann sich vorstellen, welche Bedeutung davor die regelmäßige Versorgung Norwegischer Küstendörfer und -städte durch die Postschiffe (Hurtigrute) hatte.

Die Gestelle zum Trocknen des Kabeljau (Stockfisch) sind im Norden öfter anzutreffen. Gefangen wird der Kabeljau aber eher im Januar / Februar bis April und ist als Winterkabeljau (Skrei) eine allseits begehrte Delikatesse. Im Sommer sind die Gestelle meistens wieder leer. Was dann noch dran hängt sind Fischköpfe. Die werden gern nach Afrika verkauft als Proteinspender.

8 km ostwärts Berlevåg befindet sich der nördlichste Leuchtturm der Varangerhalbinsel und gleichzeitig der zweitnördlichste von Norwegen, Kjølnes Fyr. 1916 gebaut und 1945 von den Deutschen zerstört, wurde er 1947 wieder aufgebaut. Inzwischen automatisiert und unbemannt.

Kongsfjord auf der Varagerhalbinsel
Kjølnes Fyr bei Berlevåg
Mole in Berlevåg

Die Barentssee gibt Leben und nimmt Leben. Mehrfach hat sie die Boote der Fischer oder die Hafenmolen von Berlevåg zerstört bis endlich nach 70 jährigem Kampf die riesige Mole mit großen Tetrapoden gesichert war. Über diese gemeinschaftliche Anstrengung definiert sich Berlevåg inzwischen : ohne Mole kein Berlevåg.

Store Molvik und der Blick über den Tanafjord zur Nordkinnhalbinsel.

Von Berlevåg führt ein kleines Strässchen in südwestlicher Richtung an die Westseite der Varangerhalbinsel, nach Store Molvik. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick über den Tanafjord auf die Nordkinnhalbinsel und den Hopsfjord . Aber wie üblich in Norwegen, um mit dem Auto auf die andere Seite zu kommen sind mal wieder gut 280 km zu fahren.

Store Molvik - Tanafjord
Store Molvik - Tanafjord


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2 Kommentare

  1. Hei Horst! Fantastisk reise. Skulle gjerne sett dette på norsk og Google Translatør tillater 3900 bokstaver av gangen… enkelt?
    For meg er Varangerfjorden og Varangerhalvøya i nord blant de vakreste områdene i Nord-Norge. I tillegg byr også dette landskapet på en ikke ubetydelig del av kulturen. Hvem skulle trodd, i Lappland.

    Kystfrø på Varangerfjorden
    Den som bare forbinder samer med rein og tror at samer bare er hjemme helt i nord, er ikke helt kjent med samer og Sápmi.

    Kart over samisk bosetningsområde i Nord-Europa
    Bosettingsområdet til urfolkssamene, Sápmi eller Same-Ätnam, går langt utover det vi vanligvis kaller Lappland og kan sees på kartet ved siden av.

    Ut fra den svært lange kystlinjen kan man anta at samene ikke bare streifet rundt med rein, men også drev med fiske.

    Faktisk drev samene i tillegg til reinsdyrjakt også jordbruk og fiske.

    I slutten av juni 2019 var jeg på reise langs Varangerfjorden mot Hamningberg. Omtrent 20 km øst for Varangerbotn, nær Mortensnes / Ceavccageadgi, ligger en gammel samisk bosettingsplass for kyst- eller sjøsamene, rett ved fjorden. Jeg kjenner nå mange samiske bosetninger og de har alle en viss karisma, også denne. Alle som bosatte seg her for rundt 10 000 år siden hadde et annet forhold til naturen enn vi har i dag. Disse stedene ble valgt med omhu og er stort sett idyllisk innebygd i naturen.

    Et lite, men fint museum hører til boplassområdet, som er under naturvern. I dette museet blir den spesielle forbindelsen mellom samene og naturen igjen fremhevet i utstillingen «Luondu – Hellig landskap».
    Museet drives av Varjjat samemuseum i Varangerbotn.

    Offerstein ved Ceavccagedge ved Varangerfjorden
    Kote ved Ceavccageadge på Varangerfjorden

    Flygende polfarere
    Roald Amundsen hadde allerede skrevet mye historie da han 6. mai 1926 fortøyde luftskipet «Norge» til en gittermast i Vadsø. Sammen med sine kompanjonger Umberto Nobile og Lincoln Ellsworth og mannskapet på «Norge» fløy han over Nordpolen 12. mai, etter mellomlandinger, trolig som den første. Luftskipet ble forøvrig bygget av den italienske luftfartspioneren Nobile.

    I 1928 førte skjebnen Amundsen og Nobile sammen igjen (nesten). 5. mai fløy Nobile herfra med luftskipet sitt «Italia», igjen med mellomlandinger, 24. mai over Nordpolen. Et døgn senere hadde ekspedisjonen en ulykke.
    28. juni 1928 lettet Amundsen fra Tromsø i et fransk sjøfly

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