Ankerlia
Den Tipp, nach Ankerlia zu fahren, hatte ich von einem guten Freund, denn etwas abseits der „berühmten E6“ gibt es hier ein paar besondere und einzigartige Dinge zu sehen. Erstens eine verlassene Bergbausiedlung, zweitens Norwegens tiefste Schlucht und drittens, ganz in der Nähe, an der Finnischen Grenze, Finnlands höchsten Punkt.
Ankerlia ist von der E6 aus schnell erreicht. Ab Biertavárri am Kåfjorden sind es ca 15 km in südostwärtiger Richtung bis zu einem größeren Parkplatz.
Hier ein Ausschnitt aus der Karte von Cappelen Damm Kart, Bil- og turistkart 1:400 000, Blatt 5, Nord-Troms og Finnmark.
Für mich seit Ende der 60er das Standardwerk schlechthin.
Die Karten gibt es in Norwegen in jeder Buchhandlung.
Die Siedlung und die Gruben
Das erste Kupfererz wurde hier ca 1860 gefunden und ab 1898 in einer Hütte, gegründet vom Kaufmann Christian August Anker aus Halden, eingeschmolzen. Neben der Hütte entwickelte sich im Laufe der Zeit eine ganze Siedlung für die Arbeiter der Hütte und die Grubenarbeiter. Auf den Kaufmann Anker ist auch der Name von Ankerlia zurückzuführen. Trotz zwischenzeitlichem Brand und Zwangsauktionen blieb der Betrieb aufrecht, bis 1919 aufgrund eines weiteren Brandes und einer Überflutung endgültig Schluss war. Das hier gewonnene Erz hatte einen Kupfergehalt von ca 6 %. Dem gegenüber lag der Kupfergehalt des bei Røros geförderten Erzes bei ca 25 %.
Heute wird die verlassene Ansiedlung vom Nord-Troms Museum betreut. Über die Seite des Museums kommt man über „DigitaltMuseum“ und „Suche – Ankerlia“ zu den historischen Aufnahmen dieser ehemaligen Bergbausiedlung.
Ich war am 15.07.2018 gegen 19:00 auf dem Parkplatz unterhalb der ehemaligen Siedlung angekommen, und trotz Sommerzeit waren nur fünf weitere Camper auf dem Platz.
2018 war ein heißer Sommer in Norwegen, und ich hätte nicht gedacht, dass eine Klimaanlage im Auto nördlich des Polarkreises hilfreich sein könnte. Deshalb war es auf dieser Reise auch sehr angenehm, im Dachzelt zu schlafen.
Aus diesem Grund war der Hubschrauberlärm über mir, mit dem ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, ohrenbetäubend. Noch schlaftrunken stürzten Bilder von „Apocalypse Now“, „It´s the end my friend“ und „Napalm am Morgen“ auf mich ein. Allerdings wurden hier nur Schwerlasten für eine neue elektrische Überlandleitung in die Berge transportiert, was bei dem unwegsamen Gelände durchaus üblich ist in Norwegen. Der Hubschrauber war jede halbe Stunde wieder zurück.
Nebenstehend eine Übersicht über die gesamte Anlage von Ankerlia. Die Gruben waren mit der Schmelzhütte zum Teil durch Seilbahnen und eine Schienenbahn verbunden. Reste der Seilbahnen kann man nach wie vor auffinden.
Einige Gruben in der Umgebung sind auch noch erreichbar. Dort ist aber Vorsicht geboten, es ist eine starke Taschenlampe erforderlich und teilweise stehen die Gruben auch unter Wasser.
Ich bin 2018 nicht in den Gruben gewesen, weil ich am selben Tag noch einen Termin in Tromsø hatte; Familienbesuch.
Auf dem Weg zur tiefsten Schlucht Norwegens führt der Weg durch die alte Siedlung. Von der Schmelzhütte und der Siedlung ist nicht mehr viel zu sehen, nur ein paar Ruinen, etwas Schlacke und ein paar technische Relikte.
Die Schlucht
Die zweite Sehenswürdigkeit ist die Gorsa Schlucht. Mit 153 m Tiefe ist sie nicht nur Norwegens tiefste Schlucht, sondern sogar die tiefste in ganz Nordeuropa.
Der Weg dahin ist etwas uneben und beschwerlich, aber mit den zwischenzeitlichen Ausblicken in die Schlucht wird man mehr als belohnt.
Irgendwann kommt dann auch die Gorsa Brücke über die Schlucht in den Blick. Von der Brücke, die etwas futuristisch anmutet, hat man einen freien Blick in die Schlucht und auf den Wasserfall Storfossen oder Gorzifossen. Und im Sommer kann man von der Brücke am Seil herunter springen (Bungeejumping).
Den etwas bequemeren Rückweg zum Parkplatz habe ich dann über die in der Nähe befindliche Schotterstraße genommen.
Das Halti Massiv
Diese Schotterstraße, die aus dem Kåfjorddalen in die Berge aufsteigt , führt auch zum Ausgangspunkt für die Wanderungen in das Halti Massiv, das auf der Grenze zwischen Norwegen und Finnland liegt. Wenn also auf dieser Straße mehr Finnen als gewöhnlich unterwegs sind, ist das nicht verwunderlich, denn Finnlands höchster Punkt liegt in diesem Massiv und ist von hier aus am besten zu erreichen.
Der Gipfel des Massivs auf der norwegischen Seite ist als Ráisduottarháldi 1.361 m bekannt. Das bedeutet auf Sami „Heiliger Berg der Reisenden“. Der höchste Punkt in Finnland ist ein Ausläufer des Ráisduottarháldi auf 1.331 m, bekannt als Hálditšohkka an der Grenze zu Norwegen. Dies ist auch zugleich der nördlichste Landeshöhepunkt der Welt. Der höchste Berg, dessen Gipfel sich in Finnland befindet, ist Ridnitšohkka mit 1.316 m.
2018 hatte ich, wie gesagt wenig Zeit, so dass ich diese Wanderung nicht antreten konnte. Aber der Besuch der Gruben und des Gipfels stehen weiterhin auf meiner Liste ziemlich oben. Man muss auch einen Grund haben, noch einmal zurück zu kommen.